Neue Vermarktung: Hof-Produkte im Verkaufsautomat

Neue Vermarktung: Hof-Produkte im Verkaufsautomat
27. Feb 2018

von Dr. Markus Berneiser

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Regional und biologisch erzeugte Lebensmittel erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Der samstägliche Einkauf auf dem Wochen- oder Bauernmarkt zählt für viele zu einem liebgewonnenen Einkaufserlebnis. Vergleichsweise neu ist hingegen der Trend, dass Landwirte ihre Erzeugnisse in Verkaufsautomaten anbieten, die direkt an der Hofstelle oder an gut frequentierten Plätzen wie einem Einkaufszentrum aufgestellt sind.

Große Auswahl auf Knopfdruck

VerkaufsautomatDas Sortiment ist vielfältig. Neben Frischmilch in speziellen Milchautomaten, auch „Milchtankstelle“ genannt, sind die Automaten mit Fleisch, Wurst, Marmelade, Honig, Eier, Rapsöl, Butter, Käse, Nudeln, Kartoffeln, Obst und Gemüse bestückt. Auch die stark saisonal geprägte Nachfrage nach Grillgut kann bedient werden.

Die Vorzüge für die Kunden liegen auf der Hand: Die Erzeugnisse sind nahezu rund um die Uhr verfügbar, sie sind frisch und ihre Herkunft ist bekannt. Der Vorteil für den Landwirt: Mit direkt an den Kunden verkauften Erzeugnissen lässt sich eine höhere Wertschöpfung erzielen. Für Inhaber von Hofläden stellen die Automaten zudem eine ideale Ergänzung außerhalb der Öffnungszeiten dar.

Wir haben mit Michael Dörr vom Karlshof in Roßdorf gesprochen. Herr Dörr ist Milchviehhalter, betreibt Ackerbau und erzeugt Energie mit einer Photovoltaik- sowie einer Biogasanlage. Neben der klassischen Produktion ist der Landwirt intensiv in der Öffentlichkeitsarbeit unterwegs: „Bauernhof als Klassenzimmer“, Ferienspiele, Hoffeste, Besuchergruppen und vieles mehr. Im vergangenen Jahr wurde Michael Dörr mit dem CERES AWARD zum Landwirt des Jahres 2016 ausgezeichnet.

Herr Dörr, wie wurde die Idee der Anschaffung der Verkaufsautomaten geboren?

Milchviehalter Michael Dörr

Milchviehalter Michael Dörr

Im Jahr 2004 haben wir einen Rohmilchautomaten angeschafft, der zur Eintrittskarte auf den Hof wurde. Ein Jahr später, also 2005, haben wir einen Milchshakeautomaten installiert. Von da an fand der Imagewechsel statt – der Bauer mit dem großen Güllefass wurde zum Bauern mit den coolen Milchshakes. Später kam der Regiomat hinzu, um den Kunden weitere Erzeugnisse aus der Region anzubieten.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Verkaufsautomat zum Erfolgsmodell wird?

Der Hof sollte gläsern sein. In unserem Fall heißt das, dass unser Hof zwischen 5.00 und 22.00 Uhr geöffnet ist und jeder Besucher bei der Erzeugung dabei sein kann. Zuschauen ist erlaubt – egal in welcher Situation – und Fragen stellen ist erwünscht! Durch die Beschriftung der einzelnen Bereiche kann sich zudem jeder schnell und vor Ort informieren.

Welche Produkte vermarkten Sie über Ihre Automaten?

Unsere Milch, Milchprodukte der Molkerei Hüttenthal, Käse-Trinkjoghurt der Hofkäserei am Schloßberg – alles hier aus dem Odenwald. Darüber hinaus Kartoffeln, Dosenwurst, eigene Rindswurst, Honig, Cookies, Grillgewürze und Flaschen für den Milchautomaten.

Erfüllen die Automaten Ihre Erwartungen? Haben Sie noch weitere Vermarktungswege?

Die Automaten werden grundsätzlich gut angenommen ist, unterliegen jedoch gewissen Nachfrage­schwankungen. Des Weiteren verkaufen wir noch Fleisch auf Bestellung.

Ist die Transparenz bei der Erzeugung förderlich für die Direktvermarktung?

Die Kunden finden den gläsernen Bauernhof phantastisch, weil sie überall zuschauen schauen dürfen oder auch eine Geburt miterleben können.

Wo sehen Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten für Ihren Betrieb und die Vermarktung?

Wenn ich nach vorne schaue, sehe ich für unseren Betrieb gute Chancen in der Milch- und Fleisch­verarbeitung sowie mit Hof-Events rund um die Landwirtschaft.

Herr Dörr, vielen Dank für das Gespräch!

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