Von echten und anderen Gefühlen – und was sie uns sonst noch sagen können

Von echten und anderen Gefühlen – und was sie uns sonst noch sagen können
17. Okt 2013

von Karin Clemens

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Glück, Trauer, Zufriedenheit – solche Gefühle kennt jeder. Was aber nicht mehr jedem bewusst ist, ist die Tatsache, dass unsere Gefühle unser Zugang zu unseren Bedürfnissen sind.

Wenn wir unsere Bedürfnisse befriedigt haben, fühlen wir uns gut, wohl, zufrieden, fröhlich, satt, entspannt etc. Sind unsere Bedürfnisse nicht befriedigt, fühlen wir uns unwohl, hungrig, niedergeschlagen, erschöpft, unzufrieden, frustriert etc.

Unsere Gefühle sind der Schlüssel zu unseren Bedürfnissen.

Wir spüren unsere Gefühle, gerade wenn sie stark sind, also wenn wir uns „schwarz ärgern“, „eine Heidenangst haben“, „uns tonnenschwer fühlen“. Aber sehr häufig fragen wir nicht weiter, was für ein Bedürfnis im Hintergrund drängt bzw. was wir brauchen, um uns besser zu fühlen. Und schwächere Gefühle schieben wir auch gerne mal aufgrund von Zeitmangel oder Ähnlichem beiseite.

Aber gerade über Gefühle können wir „zeitnah“ registrieren, was wir brauchen und darauf reagieren. Zum Beispiel kann hinter „schwarz ärgern“ das Bedürfnis nach Anerkennung, Bestätigung oder Respekt liegen, im Gegensatz zu der unsachlichen und unhöflichen Kritik, die zu dem Ärger geführt hat.

Wichtige Bedürfnisse erfüllen

je nach Situation kann ich hier etwas für mich tun, um mir Anerkennung, Bestätigung oder Respekt zu verschaffen, wie ich es brauche (ich gehe vielleicht zu einem sehr geschätzten Kollegen oder Freund und spreche mich dort aus…). Wir können also aktiv mit unseren Gefühlen und damit besonders achtsam mit uns umgehen.

Warum ist das wichtig zu wissen? „Alles was Menschen tun, ist ein mehr oder weniger gelungener Versuch, seine Bedürfnisse zu erfüllen, und unsere Gefühle zeigen an, ob Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht.“  so Dr. Marshall Rosenberg, klinischer Psychologe und Mediator.

Es lohnt sich also, die eigenen Gefühle (und vielleicht auch die der anderen) zu hinterfragen, um herauszufinden, was gerade „drängt“ bzw. erfüllt oder unerfüllt ist.
Aber Vorsicht: Nicht alles, was wir als Gefühl formulieren sind „echte Gefühle“.

Echte Gefühle

sind körperlich spürbar und werden in Ich-Botschaften formuliert. Also z. B.

  •  „ich bin glücklich, … froh, … frustriert, … traurig“
  •  „ich fühle mich deprimiert, … geborgen, …. beruhigt, …. hilflos“.

Sogenannte „Pseudogefühle“

sind „verfälschte“ Gefühle, nämlich in Gefühlsformulierungen verpackte Gedanken, Interpretationen, Schuldzuweisungen,  Anklagen, Vorwürfe an andere, also Du-Botschaften. Hier sind zwar im Hintergrund auch Gefühle, die aber unausgesprochen bleiben. Vielmehr wird mit den Pseudogefühlen direkt ein anderer (ein „Täter“) für das Gefühl des Sprechers verantwortlich gemacht. Zum Beispiel:

  •  „Ich habe das Gefühl, dass ich über den Tisch gezogen, …lächerlich gemacht, …manipuliert werde“;
  •  „ich fühle mich ausgenutzt, … eingeengt, …. provoziert“.

Die „Hintergrundgefühle“ können dann sehr wohl Ärger, Scham, Frustration, Hilflosigkeit etc. sein, aber die Verantwortung für die eigenen Gefühle wird nicht übernommen, sondern einem anderen übertragen. Pseudogefühle, besonders wenn sie wiederholt werden, führen so schnell zu Verstrickungen, Frontenverhärtung und Konflikten.

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Von echten und anderen Gefühlen – und was sie uns sonst noch sagen können
Karin Clemens

Dipl.-Psych., Geschäftsführerin von HumanProtect Consulting (HPC), ein Tochterunternehmen der R+V, das Dienstleistungen rund um die psychische Gesundheit anbietet.

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