Warum Menschen (meistens) keine Veränderung mögen (Teil 1)

Warum Menschen (meistens) keine Veränderung mögen (Teil 1)
29. Mrz 2018

von Karin Clemens

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Wie schwer Veränderungen fallen können, weiß wohl fast jeder, der schon einmal eine Diät gemacht hat oder mit dem Rauchen aufhören wollte. Auch wenn Menschen sich eine Veränderung wünschen, ist doch die Umsetzung meistens nicht leicht.

Und was im „Kleinen“ schon schwerfällt, gilt erst recht im „Großen“: Viele Menschen fühlen sich in einer Beziehung oder auch in einem Beruf nicht wohl, scheuen aber notwendige Schritte, um eine Veränderung herbeizuführen. Hinzu kommt, dass in den Zeiten des immer schneller werdenden Wandels der Veränderungsdruck speziell in der Arbeitswelt stetig zunimmt. Die Veränderungszyklen werden – Stichwort Digitalisierung – immer kürzer und das „Change Management“ immer bedeutsamer.

Um ein Gefühl zu gewinnen, warum es Menschen oftmals schwerfällt, Veränderungen anzugehen, können Sie sich selber ein paar Fragen beantworten:

  • Wie startet Ihr Arbeitstag vom Aufstehen bis zum Aufbruch zur Arbeit? Relativ gleich oder ständig anders?
  • Wie häufig wechseln Sie die Fahrtstrecke zur Arbeit?
  • Wie viel unterschiedliche Begrüßungsformeln nutzen Sie am Telefon?
  • Wie häufig denken oder sprechen Sie von „typisch Mann oder typisch Frau“, „typisch Deutschland“, „typisch Behörde“ oder Ähnliches?

Die meisten werden feststellen, dass der Großteil des Verhaltens, Denkens und Fühlens weitgehend automatisiert vonstattengeht. Wir bewegen uns in Gewohnheiten, unser Wahrnehmen und Erleben wird durch „altbewährte“ Muster und Stereotypien strukturiert und dieses geschieht oftmals, ohne dass wir uns dessen bewusst werden. Das hat entscheidende Vorteile, denn es hilft Komplexität zu reduzieren, ermöglicht schnelles und (meist) angepasstes Verhalten und vor allem spart es einfach Energie.

Der Anteil des Gehirns an der gesamten Körpermasse beträgt zwar nur ca. 2%, es nimmt aber ca. 20% des Energieumsatzes in Anspruch. Nur vernünftig, dass das Gehirn versucht Energie zu sparen und deswegen auf Schablonen zurückgreift.

Warum fällt es uns schwer, neues Verhalten zu lernen?

Eine „kontrollierte Informationsverarbeitung“, die immer dann notwendig ist, wenn wir etwas Neues lernen, erfolgt weitgehend auf der Großhirnrinde und die ist ein „Spritfresser“ und vor allem sehr begrenzt in ihrer Verarbeitungskapazität. Wenn wir beispielsweise Autofahren lernen, so bedarf es einer intensiven Selbstbeobachtung und –steuerung („Kupplung laaangsam kommen lassen“), was zusammen mit der Notwendigkeit den Verkehr zu beobachten, nicht nur die Nerven des Fahrschülers kostet. Mit zunehmender Wiederholung (Erfahrung) „sickert“ das Verhalten ins automatisierende „Unbewusste“, das Fahren geht von selbst und das Gehirn kann sich dabei anderen Dingen widmen. (Dass das auch nicht immer vorteilhaft ist, zeigen dabei die alljährlichen Unfallstatistiken).

Kurz: Das Gehirn liebt Routinen. Die Neurobiologie zeigt sogar, dass immer wenn wir uns in gewohnten Bahnen bewegen, dieses sogar durch die Ausschüttung von körpereigenen Opiaten „belohnt“ wird.

Mehr zum Thema Veränderungen erfahren Sie im zweiten Teil des Artikels.

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Warum Menschen (meistens) keine Veränderung mögen (Teil 1)
Karin Clemens

Dipl.-Psych., Geschäftsführerin von HumanProtect Consulting (HPC), ein Tochterunternehmen der R+V, das Dienstleistungen rund um die psychische Gesundheit anbietet.

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Kommentare

Frank Mrusek

20:23 12.04.2018

Coole Gedanken für jemanden der sich mit solchen Sachen nicht beschäftigt aber schon viele Veränderung im beruflichen Leben positiv gemeistert hat, noch Lust auf Veränderungen hat, sich aber fragt warum, mir geht’s doch im Moment in allen Bereichen des Lebens prima