Warum Menschen (meistens) keine Veränderung mögen (Teil 2)

Warum Menschen (meistens) keine Veränderung mögen (Teil 2)
4. Apr 2018

von Karin Clemens

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Ein weiterer wichtiger Faktor, warum Veränderungen oft schwerfallen: Das „Immer-schon-so“, die vertrauten Pfade, befriedigen auch das Grundbedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle. Das Neue und Unbekannte hingegen trägt immer auch etwas Unkalkulierbares in sich, bedroht das Sicherheitsgefühl und erfordert eine aktive Bewältigung.

Oftmals gelingt es nicht, dieses positiv mit einem Gefühl von Herausforderung zu verbinden, sondern geht mit einem Gefühl von Bedrohung und Verlust einher. Ein zentraler Umstand dabei: Die emotionale Bewertung geschieht automatisch auf dem Boden der alten Muster und eigener persönlicher Erfahrungen und wird, sofern nicht „gespürt“ wird, dass mit dem Neuen auch etwas Positives, eine „Belohnung“ verbunden ist, erst einmal mit Unsicherheit oder sogar Angst verbunden sein.

Sind neue Erfahrungen positiv?

Hier ist wichtig zu berücksichtigen, dass sich Menschen natürlich stark darin unterscheiden, wie offen sie Veränderungen gegenüberstehen und diese aktiv anstreben. In der Psychologie wird dieses als ein charakteristisches Persönlichkeitsmerkmal betrachtet und wird als „Offenheit für neue Erfahrungen“ oder auch „sensation seeking“ beschrieben. Bei manchen Menschen ist dieses Merkmal stark, bei anderen nun mal schwach ausgeprägt. Nicht unwichtig bei organisationalen Veränderungsprozessen: Bei Führungskräften scheint diese Eigenschaft überdurchschnittlich häufig vorzukommen, denen es dann aber nicht immer leicht fällt zu akzeptieren, dass Mitarbeitende nicht begeistert auf jeden angestoßenen Change-Prozess anspringen.

Was bedeutet emotionale Abwehr?

In der Psychologie der Veränderung kommen dabei auch noch andere Phänomene zum Tragen, hier wollen wir noch den Aspekt der „emotionalen Abwehr“ aufgreifen. Wenn das Ziel der Veränderung, der SOLL-Zustand, als positiv bewertet wird, geht damit die Annahme einher, dass der IST-Zustand schlecht ist. Wenn damit aber auch verknüpft wird, dass man selber bisher zu doof war und falsch gehandelt oder gedacht hat, so resultieren daraus ungute Gefühle von Versagen und Schuld. Und was passiert, wenn diese Gefühle zu stark sind? Genau –  bevor ich mich selber abwerte (oder abwerten lasse), tue ich das doch lieber mit dem SOLL-Zustand, der ja so viel besser als das Bisherige ja nun auch nicht ist, genau genommen sogar deutliche Schwächen hat, oder?

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie uns doch gerne einen Kommentar.

Mehr zum Thema Veränderungen erfahren Sie im ersten Teil des Artikels.

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Warum Menschen (meistens) keine Veränderung mögen (Teil 2)
Karin Clemens

Dipl.-Psych., Geschäftsführerin von HumanProtect Consulting (HPC), ein Tochterunternehmen der R+V, das Dienstleistungen rund um die psychische Gesundheit anbietet.

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