Zusammenstoß mit Tieren: Sind alle Tiere versichert?

Zusammenstoß mit Tieren: Sind alle Tiere versichert?
15. Mrz 2012

von Monika Hochscheid

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Zu den Leistungsmerkmalen in der (Teil)Kaskoversicherung gehört auch der Zusammenstoß mit Tieren. Aber sind denn hier auch wirklich alle Tiere gemeint?

Das ist von Versicherer (VR) zu Versicherer unterschiedlich und hängt auch noch von den angebotenen Produktvarianten bei jedem Versicherungsunternehmen ab.

Ich möchte Ihnen heute drei der gängigsten Varianten einmal erläutern und habe mir auch kompetente Hilfe von einem Kollegen geholt.

Herr Michael Wischmann ist Gruppenleiter der Betriebs- und Schadenabteilung der VTV (Vereinigte Tierversicherung, ein Unternehmen der R+V-Versicherungsgruppe). Aber Herr Wischmann ist privat auch Jäger und amtlich bestätigter Jagdaufseher in seinem Heimatort.

Herr Wischmann, bevor Sie mir einige Begebenheiten aus der Praxis erzählen, möchte ich zuerst auf die Leistungsmerkmale eingehen.

Bei den Autoversicherungen gibt es drei Leistungsvarianten, die am häufigsten vorkommen:

  • Zusammenstoß mit Tieren
  • Erweiterter Wildschaden
  • Zusammenstoß mit Haarwild

Zusammenstoß mit Tieren

Beim Zusammenstoß mit Tieren ist die Kollision eines in Bewegung befindlichen Fahrzeugs mit einem Tier (z. B. Haus-, Nutz-, Wildtier oder auch Vögel) versichert.

Beispiele:

  • Sie fahren auf einer Straße, eine Hauskatze läuft auf die Fahrbahn, Sie können nicht mehr ausweichen und stoßen mit der Katze zusammen.
  • Sie fahren auf der Autobahn, ein Fasan überquert die Fahrbahn, fliegt allerdings zu tief und fliegt in die Scheibe Ihres Autos.
  • Ein Pferd bricht aus, überquert die Fahrbahn und Sie stoßen mit dem Tier zusammen.

Erweiterter Wildschaden

Beim erweiterten Wildschaden wären unsere zwei ersten Beispiele nicht mitversichert. Das letztere Beispiel schon. Hier sind immer das Haarwild und zusätzlich einzeln genannte Tiere wie z. B. Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen versichert. In den Produktbeschreibungen bzw. Bedingungen der Versicherungsunternehmen kann man nachschauen, welche Tiere hier genannt sind.

Zusammenstoß mit Haarwild

Beim Zusammenstoß mit Haarwild richten sich die Versicherer nach der Definition von Haarwild aus dem Bundesjagdgesetz (§ 2,1). Zum Haarwild gehören (gängigste Wildarten, andere siehe LINK)

  • Rotwild
  • Dammwild
  • Rehwild
  • Schwarzwild
  • Feldhase
  • Wildkaninchen
  • Fuchs
  • Marderarten

Bei dieser Leistungsart wären alle Fallbeispiele nicht versichert. Selbst der Fasan nicht, da er ein Federwild ist und somit nicht unter das Haarwild gem. Bundesjagdgesetz fällt.

Herr Wischmann der Zusammenstoß mit Wildschweinen ist in der Teilkasko ebenfalls versichert. Wildschweine haben doch Borsten. Können Sie uns das erklären?

„Hinter dem Begriff Schwarzwild versteckt sich das Wildschwein. Versichert ist es natürlich, da es ja ausdrücklich im Bundesjagdgesetzt genannt ist, aber auch deshalb, da es sich bei den Borsten um Haare per Definition handelt.“

Bei den Kraftfahrtgesellschaften der R+V-Versicherungsgruppe (R+V Allgemeine, KRAVAG ALLGEMEINE, KRAVAG LOGISTIC, Condor, Optima und R+V24 Direktversicherung) sind alle Leistungsvarianten vorhanden. Je nach Gesellschaft oder Produkt unterscheiden sich die Bedingungen.

In Ihrer Tätigkeit als Jagdaufseher habe Sie uns doch bestimmt so einige Fälle aus der Praxis zu berichten. Versuchen die Fahrer eher den Tieren auszuweichen oder gibt es häufiger einen Zusammenstoß?

„Gott sei Dank weichen die meisten Autofahrer dem Wild nicht aus. Denn das Ausweichmanöver führt in der Regel zu einer Kollision mit einem Baum oder kann im Graben enden. Hierbei handelt es sich um weit größere Gefahren als der direkte Zusammenstoß mit dem Wildtier. Außerdem ist beim Ausweichen der Schadennachweis zum entschädigungspflichtigen Schaden mit einem Wild-  bzw. Tier nicht erbracht.“

Da haben Sie recht, das Ausweichen und der damit im Zusammenhang stehende Fahrzeugschaden ist per Definition nicht versichert. Die Versicherer übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen aber auch den Fahrzeugschaden, der durch das Ausweichmanöver entstanden ist. Der Versicherungsnehmer (VN) hat eventuell einen Anspruch auf Erstattung des ihm entstandenen Schadens, falls der Fahrer zur Abwendung oder Minderung des unmittelbar bevorstehenden Versicherungsfalles eine Rettungshandlung vornimmt. Hierbei muss es sich aber um den Zusammenstoß mit einem Tier großer Körpermasse (Reh, Wildschwein) handeln. Ein Ausweichen bei einem Iltis, Hasen, Kaninchen oder Katze ist nicht versichert.

Wie wird denn ein Wild- oder Tierschaden eigentlich durch Sie bzw. Ihre Kolleg(Inn)en bestätigt?

„Im günstigsten Fall liegt das unfallverursachende Wildtier bei unserem Eintreffen am Unfallort. Dann ist die Sachlage klar und eindeutig und kann auf einem entsprechenden Formular für die Versicherung bestätigt werden. Ist das Tier in der Regel verletzt geflüchtet, suche ich es mit meinen speziell für diese Situation ausgebildeten Hunden.  Finde ich es nicht, suche ich am Fahrzeug nach Spuren (Haare, Schweiß d. h. Blut in der zivilen Sprache, Knochensplitter oder ähnlichem) als Schadennachweis für den Wildunfall.

Für die Definition von Haarwild und Haus- bzw. Nutztier kann ich Ihnen noch zwei nette Anekdoten mitgeben.

Ein örtlicher Hobbylandwirt hatte eine Herde Urschafe. Diese ähnelten sehr dem Muffelwild, welches wiederum im Sinne des Bundesjagdgesetzes zum Haarwild zählt. Eines Tages waren drei Tiere ausgebrochen und nachdem sämtliche Versuche die Tiere einzufangen gescheitert waren, verwilderten diese wieder. Wenn es zum Unfall gekommen wäre, hätte sich herausgestellt, dass es sich nicht um Haarwild, sondern nur um „verwilderte“ Hausschafe gehandelt hätte. D. h. nicht alles was wild aussieht ist auch in allen Deckungsvarianten versichert.

Anders war es im Nachbarort. Dort hatte eine Tierliebhaberin ein als Frischling aufgenommenes Wildschwein mit der Flasche groß gezogen. Das Schwein ähnelte im Verhalten mehr einem Hund als einem Stück Schwarzwild. Es kam auf Pfiff und konnte sogar Sitz und Platz machen. „

Ich frage mich wie die Haftungsfrage in diesem Fall beantwortet wird, wenn das Wildschwein auf einem der vielen Spaziergänge mit dem Frauchen einen Unfall verursacht.

„Diese Frage kann ich Ihnen beantworten. Per Definition bleibt es ein Wildschwein und ein Zusammenstoß mit dem Tier wäre auch bei der Deckungsart Haarwildschäden mitversichert.“

Herr Wischmann haben Sie noch Tipps oder Verhaltensregeln?

Ja gerne.

  1. Nicht ausweichen.
  2. Erhöhte Aufmerksamkeit an Stellen mit erhöhtem Wildwechsel. Das sind vor allem Waldanfang, Waldende, Straßen mit der Beschilderung Wildwechsel
  3. In der Morgen- und Abenddämmerung ist die Wildunfallgefahr am Größten.
  4. Bei einem eingetretenen Unfall mit einem Tier zuerst immer die Polizei anrufen. Dieser liegt eine Liste der zuständigen Revierinhaber oder Jagdaufseher vor.
  5. Um die Arbeit einer evtl. Nachsuche zu erleichtern immer an der Unfallstelle bleiben bis der zuständige Jäger eingetroffen ist.
  6. Bitte beachten: Angefahrenes und verletztes Wild, insbesondere Wildschweine können eine Gefahr für den Autofahrer darstellen.
  7. Das Mitnehmen von toten Wildtieren für den Eigenbedarf ist im Sinne des Gesetzes Wilderei und wird strafrechtlich verfolgt.

Herr Wischmann und ich hoffen, die Unterschiede und damit unterschiedlichen Auswirkungen bei einem Schadenfall verständlich dargestellt zu haben.

Sollten Sie noch Fragen oder weitere Informationen benötigen, können Sie gerne über die Kommentarfunktion mit uns in Kontakt treten.

Wir wünschen Ihnen allseits unfallfreie Fahrt!

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Zusammenstoß mit Tieren: Sind alle Tiere versichert?
Monika Hochscheid

Abteilung Kraftfahrt-Betrieb, Gruppe Qualitäts-, Prozess-, Projektmanagement; bloggt über spezifische Fragestellungen zur Kfz-Versicherung

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Kommentare

Kollision mit einem Schwan – Zahlt die Versicherung? « R+V Blog / http://www.ruv-blog.de/kollision-mit-einem-schwan-zahlt-die-versicherung/

09:03 27.02.2013

[…] Kollisionen mit Wild sind in der Teilkasko versichert. Doch gehört der Schwan zum Wild? In den Versicherungsbedingungen, die der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), als Musterbedingungen auf seiner Homepage bereitgestellt hat, geht klar hervor: Nur Zusammenstöße mit Haarwild im Sinne des §2 Abs. 1 Nr. 1 Bundesjagdgesetz sind in der Teilkasko versichert. […]

Roland Richter / http://www.ruv.de

14:55 13.03.2013

Das ist richtig, in den Musterbedingungen des GDV sind nur Zusammenstöße mit Haarwild als Teilkasko-Risiko versichert.

Diese Musterbedingungen sind im Prinzip eine Empfehlung an alle Versicherer, was mindestens abgedeckt sein soll.

Bei der R+V gibt es im Plus-Tarif deutlich mehr, als nur den Mindeststandard. Wir versichern das Risiko einer Kollision mit Tieren aller Art. Also auch der Fahrzeugschaden aufgrund eines Unfall mit Vögeln, Haus- oder Nutztieren würde dann aus der Teilkasko bezahlt.